Interview mit Antimo Perretta, EMBA UZH Alumnus

„Wir sind in der komfortablen Position, technologische und gesellschaftliche Veränderungen aus einer Position der Stärke heraus begleiten zu können.“

Antimo Perretta, Absolvent des Executive MBA (2006-2008) und seit Januar 2014 CEO der AXA Winterthur und Mitglied der erweiterten Konzernleitung der AXA Gruppe im Interview mit dem Executive MBA der Universität Zürich.

 

Seit dem 1. Januar 2014 sind Sie CEO der AXA Winterthur und des AXA Executive Committee, waren aber schon vorher Mitglied der Geschäftsleitung, und seit 2007 für die AXA Winterthur tätig. Was sind genau Ihre Hauptaufgaben als CEO der AXA Winterthur?
Erstens trage ich die Gesamtverantwortung des Unternehmens gegenüber dem Verwaltungsrat, der FINMA, und natürlich auch unseren Mitarbeitern und Kunden. Zweitens repräsentiere ich die Gesellschaft gegen aussen, so zum Beispiel im Schweizerischen Versicherungsverband, in welchem ich auch Vizepräsident bin. Und drittens vertrete ich unsere Gesellschaft in der Konzernleitung der AXA Gruppe. Alle diese Aufgaben sind für mich sehr erfüllend und fordern mich immer wieder heraus.

Sie haben 2008 den Executive MBA an der Universität Zürich abgeschlossen. Welche Gründe haben Sie dazu bewogen, einen Executive MBA zu machen, und weshalb haben Sie den Executive MBA an der Universität Zürich gewählt?
Ich konnte eine sehr gute Erstausbildung geniessen, und habe mich danach in meinem Fachgebiet umfassend weitergebildet. Was mir jedoch gefehlt hat war Wissen und Kompetenz im Bereich General Management. Ich habe mich dann aus verschiedenen Gründen für den Executive MBA der Universität Zürich entschieden. Wichtig war für mich, dass ich Beruf, Familie und Weiterbildung unter einen Hut bringen konnte; dabei sind mir die 3-tägigen berufsbegleitenden Module sehr stark entgegen gekommen. Der Ausbildungsort Zürich hat mir zudem erlaubt, abends noch kurz ins Büro zu gehen, wenn es etwas Dringendes zu erledigen gab – so konnte ich mich tagsüber voll und ganz auf die Ausbildung konzentrieren. Als letzten Punkt möchte ich die Kursteilnehmer und –teilnehmerinnen erwähnen: Für mich war es wichtig, dass die „Wellenlänge“ der Teilnehmenden stimmt. Diesbezüglich habe ich am Informationsanlass sehr positive Erfahrungen mit dem Alumni-Programm gemacht. Die heterogene Branchenzusammensetzung hat auch zu einem bereichernden Austausch ausserhalb der Assekuranz geführt, was für mich sehr wichtig war.

Was zeichnet für Sie den Nutzen Ihres Executive MBA Studiums aus, wenn Sie an Ihr Tagesgeschäft denken? Gibt es Themenbereiche des EMBA Programms, die Ihnen in der Ausübung Ihrer Funktion besonders hilfreich waren und sind?
Für mich war der Mix aus praktischen Fallstudien, Simulationen, theoretischem Frontalunterricht und selbständigem Arbeiten ausgezeichnet. Wenn ich an mein Tagesgeschäft denke sind für mich insbesondere Themen wie die DCF-Methode, die Bewertung von Portfolios oder das Lesen und Verstehen einer Bilanz wichtig. Die Simulationen haben mir zudem erlaubt, Perspektivwechsel vorzunehmen. So haben wir uns zu einem spezifischen Problem etwa in die Rolle eines Analysten, und später dann in diejenige des Verwaltungsrats oder der Geschäftsleitung hineinversetzt. Da ich mich in meiner Funktion oft mit Personalthemen befasse, hat mir auch das Modul zum HR-Management sehr stark geholfen. Die Fallstudien haben mich zudem gelehrt, komplexe Themen auf einfache Fragestellungen zu reduzieren, und diese dann fokussiert zu lösen.

2014 war ein sehr starkes Jahr für die AXA Winterthur. Der Reingewinn ist um einen Fünftel auf knapp 1 Mrd. Franken gestiegen. Mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent (gemessen an gebuchten Brutto-Beiträgen) ist die AXA Versicherung die Nummer 1 im Schweizer Versicherungsmarkt. Wie gross ist das Potential einer zusätzlichen Steigerung? Wird das Geschäftsjahr 2015 wiederum so erfolgreich sein?
Ich denke, das gute Ergebnis von 2014 hat unseren bisherigen Kurs bestätigt. Um auch weiterhin erfolgreich zu sein ist es unverzichtbar, das Kundenverhalten, die Kundenbedürfnisse, und das gesellschaftliche und technologische Umfeld permanent im Auge zu behalten. Was z.B. bedeutet ein selbstfahrendes Auto für eine Versicherung? Was heisst es für uns, wenn jungen Autofahrern der Besitz eines Autos weniger wichtig ist als die Mobilität an und für sich? AXA Winterthur ist in der komfortablen Position, solche technologische und gesellschaftliche Veränderungen aus einer Position der Stärke heraus begleiten zu können.

Man hört oft, dass die Schweizer das am besten versicherte Volk der Welt seien. Die Schweizer und Liechtensteiner kommen gemäss Studien auf knapp 6000 Euro Versicherungsprämien pro Kopf und Jahr, gefolgt von den Niederlanden auf Platz 3 mit 4500 Euro, wobei der europäische Durchschnitt unter 2000 Euro liegt. Können Sie dies kommentieren? Was denken Sie sind die Gründe? Sind wir überversichert?
Diese Beobachtung hängt einerseits sicher mit unserer Kultur zusammen: Vorsorgen ist für uns ein wichtiges Thema, wobei das langfristige Denken auch einen gewissen Einfluss hat – wir bauen oft für die Ewigkeit, und möchten uns entsprechend absichern. Andererseits sind in der Schweiz gewisse Versicherungen gesetzlich vorgeschrieben, ich denke dabei etwa an die obligatorische berufliche Vorsorge oder Mietverträge die oft Hausrat und/ oder Haftpflichtversicherungen voraussetzen. Des Weiteren gibt es im Bereich der 3. Säule steuerliche Anreize. Doppelversicherungen kommen sicher auch hie und da vor, häufig aufgrund mangelnder Kenntnis der Versicherten über den Umfang und die Leistungen ihrer bereits bestehenden Policen.

Gerne möchte ich Sie zum Abschluss um ein paar Tipps für unsere Leserinnen und Leser bitten. Welche drei Skills sind aus Ihrer Sicht für eine erfolgreiche Karriere in der Versicherungsbranche unumgänglich, welche drei Eigenschaften sind absolute Karrierekiller?
Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig, dass man sich als Leader mit einem guten Team umgibt. Einer guten Karriere förderlich sind sicher auch Eigenschaften wie Engagement und positives Denken. Karrierekiller sind für mich egoistisches Verhalten, die Bekämpfung von Veränderungen, und fehlende Netzwerke.

Herr Perretta, herzlichen Dank für das interessante Gespräch. Im Namen des EMBA wünsche ich Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg.


Das Interview mit Antimo Perretta hat Matthias Schaub geführt.

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