«Abenteuerliche Businessroute»

«Abenteuerliche Businessroute»

Brasilien kommt politisch und wirtschaftlich nicht zur Ruhe. Am EMBA Alumni UZH Netzpunkt im Restaurant uniTurm sprach Professor Felipe Monteiro über den südamerikanischen Riesen. Ein mit brasilianisch beschlagenen Alumni bestücktes Panel diskutierte darauf die geschäftlichen Herausforderungen in Lateinamerika.

«Brasilien ist das Gegenteil der Schweiz», sagte Professor Felipe Monteiro zu Beginn seines Vortrages im Restaurant uniTurm. Jedes Mal, wenn er nach Zürich komme, könne er nicht anders, als darüber zu staunen, dass hier alles perfekt funktioniere. Monteiro lud das Publikum ein zu einem ruppigen off-road-Trip durch die wirtschaftliche Landschaft seiner Heimat, wo man sich grössere Schlaglöcher auf dem Weg gewohnt sei. Trotz der Turbulenzen, an denen Brasilien leidet, biete der gigantische Markt interessante Chancen, speziell für ausländische Firmen. Der Finanzexperte Monteiro, der am Executive MBA der UZH das Modul «Intercultural Management II» lehrt, gab sich in seiner Tour d’Horizon verhalten optimistisch, was die Zukunft der brasilianischen Wirtschaft angeht. Ohne Zweifel sei es aber für den ganzen Kontinent entscheidend, wie Brasilien aus der Krise finde.

Geschäftlich bleibe Lateinamerika ein schwieriger Markt, sagte Monteiro. Doch er machte auch positive Tendenzen aus. So hält er die neue Regierung von Mauricio Magri in Argentinien für wirtschaftsfreundlicher als jene der Vergangenheit. Unter der Führung von Michel Temer habe sich auch Brasilien ein wenig geöffnet. Die Situation bliebe aber delikat, Brasilien sehne sich nach besseren Tagen. Das gigantische Puzzle sei für Ausländer nicht einfach zu durchschauen, sagte Monteiro. Einerseits sei Brasilien ein rätselhaftes Land, doch Monteiro sieht Anzeichen für eine positive Veränderung. Das berühmte «Jeitinho», jene brasilianische Lebensart, für jedes Problem eine informelle Lösung zu finden, werde die massiven Herausforderungen jedoch nicht beheben. Die Gesellschaft wandle sich, konstatierte der Finanzexperte, das brasilianische Volk bewege sich hin zu mehr Respekt des Gesetzes – und in eine hellere Zukunft. Er hoffe, dass die von der Regierung Temer getätigten harten Massnahmen bald ihre erwartete Wirkung zeigen würden. So würde sich das wirtschaftliche Umfeld auch für ausländische Investoren verbessern. Denn trotz aller Sorgen bleibe Brasilien ein sehr angenehmer Flecken Erde, wenn es auch keiner Spazierfahrt in die Schweizer Berge gleiche.

Lebhaftes Podium
Nach dem Impulsreferat diskutierte ein Panel von Fachleuten mit Brasilienerfahrung Chancen und Risiken des Marktes für Schweizer Unternehmen. Malin Borg moderierte das Podium. Deren Teilnehmer waren sich darin einig, dass das volatile Umfeld Brasilien keine kurzfristigen Gewinne verspreche. Silvio Dulinsky vom World Economic Forum zeigte sich überzeugt, dass der Zug Brasilien auf lange Sicht bergauf fahre, wenn auch mit vielen Auf und Abs zu rechnen sei. Business in Brasilien sei ein Langstreckenlauf, und nichts für Anfänger, betonte Thomas Foerst, der bis letzten Sommer den «Swiss Business Hub» von Switzerland Global Enterprise aufgebaut hatte. Er erzählte auch von Start-ups, die traumhafte jährliche Wachstumsraten von 30 bis 40 Prozent verzeichneten.

Via Skype nahm Paul-Edgar Clémençon am Panel teil. Clémençon ist Sales und Marketing Leiter von VWR Brasilien in Sao Paolo und bestätigte, dass sich das Wirtschaftsumfeld in Brasilien durch die politischen Massnahmen verändere. Er spüre eine Aufbruchstimmung im Volk. Die Menschen in Brasilien wünschten sich mehr Transparenz und weniger Korruption. Der Weg bleibe allerdings noch lange und steinig. Für Schweizer Firmen helfe es, wenn man die Mentalität kenne. Denn belehren lassen sich die Brasilianer nicht so gerne.

Brasilien sei ein kompliziertes Land und werde auch speziell bleiben, sagte Jacqueline Zesiger. Die HR-Beraterin mit Wurzeln in Rio betonte, dass es Zeit brauche um in Südamerika ein Geschäft aufzubauen. Doch wer die Kultur kenne und das Vertrauen der Menschen gewinnen könne, werde mit dem Enthusiasmus der Einheimischen belohnt. Die kulturellen Unterschiede würden aber nach wie vor oft unterschätzt, gab Zesiger zu bedenken.

Im Podium wurden einige grundlegende Unterschiede im geschäftlichen Alltag zwischen den beiden Kontinenten erwähnt. So diene das erste Meeting in Brasilien meist nur zum Beschnuppern und um Vertrauen aufzubauen, sagte Malin Borg. Erst ab der zweiten Sitzung würde über Geschäftliches besprochen. Silvio Dulinsky steuerte die Anekdote bei, dass man in Brasilien auf Geschäftsanfragen a priori nie ein Nein hören werde. Paul-Edgar Clémonçon schliesslich wies auf die Unterschiede in der Entscheidungskultur hin. In Brasilien seien die Firmen hierarchischer, und alle Entscheidungen würden vom Chef allein getroffen. Mitdenkende Mitarbeiter seien weniger gefragt.

Die Frage, ob Brasilien aus dem Sumpf heraus komme, wurde auch aus dem Publikum mit Sorge gestellt. Und die Antwort muss offen bleiben. Die Lösung der Schwierigkeiten hänge nicht zuletzt davon ab, ob sich der Staatsapparat läutern könne. Vor dem Apéro gab es einige interessante Fragen aus dem Publikum, und zum Schluss des Panels wurde ein Bonmots eines Schweizer Unternehmers mit Brasilienerfahrung in den Raum geworfen: «Business in Brasilien ist nie so gut, wie es aussieht, aber auch nie so schlecht wie es tönt.» Auf dieser vorsichtig positiven Note endete der spannende Netzpunkt. Die spannenden Fragen wurden bilateral  während eines «Apéro riches» im Restaurant Uniturm debattiert.

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Text: Claudio Zemp

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